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Jahresbericht 08/09
Irgendwo in Londons Westen in einem
Pub, welches versteckt in einer Seitengasse liegt. Nur wenige Meter weiter
stehen ein Mercedes SL 500 und ein Bentley Continental GT.
Zwei Männer mit praktischer Kurzhaar-Frisur haben ein Pint vor sich, und
lesen die neusten Schlagzeilen in der Sun. Der eine, nennen wir ihn Frank,
darf wieder einmal das Gejammer seiner Ex-Verlobten nachlesen und muss zur
Kenntnis nehmen, dass sie ihn nur noch Bastard nennt. Der andere, ich glaube
er heisst John, muss erstaunt feststellen, dass sein Wochensalär von 145 000
Euro nicht reicht um die liebe Verwandtschaft zu ernähren. Wurden doch seine
Mutter und Schwiegermutter wegen Ladendiebstahl verhaftet.
Nachdem all diese, eher negativen Neuigkeiten, verdaut waren sagt Frank zu
John: “ Du John, hast Du wieder mal was von unserem treuen Fanclub in der
Schweiz gehört, den Chelsea Supporters Switzerland?“
„ Ja klar!“ antwortet John, „ die hatten letztes Jahr am 13.September ihre
HV, ist alles rund gelaufen.
Dann hat sich der Vorstand mal was anderes einfallen lassen und hatte für
den 4. Oktober einen 2-Tagesausflug ins Berner Oberland organisiert.
Eigentlich wollten sie in Kandersteg Paintball spielen, aber es hat
angeblich so stark geschneit, an diesem 4. Oktober, dass dies abgesagt
werden musste. So haben die Teilnehmer einen gemütlichen Spielabend in der
gemieteten Hütte verbracht.
Apropos, erinnerst du dich noch an unser Teamevent? Wir waren doch auch
schon auf so einer Paintball-Anlage? ‘“
Ja, stimmt, “ meint Frank, „so was machen wir ja öfters. Soll angeblich gut
für die Teambildung sein. Waren damals nicht noch Damien und Ejdur dabei?
Du, hatten denn die Chelsea Supporters keine Clubreise organisiert um uns
wieder mal zu besuchen?“
„Doch, doch sie waren am 14. März
gegen Man City da.“ John schmunzelt und sagt: „Du Frank, bestell dir noch
Bier, da gibt es eine Story zu dieser Clubreise, das glaubst du gar nicht:
Also, Du erinnerst Dich doch an Töbu?“
Frank runzelt die Stirn: “Hmmm, lass mich überlegen. Ist das der, der immer
fast ausgerastet ist, als Hernan noch bei uns war?“
„Ja genau! Also Töbu hat ja den Ruf äusserst korrekt zu sein. Es würde ihn
also mega nerven, wenn ein Clubreise-Teilnehmer seine ID nicht dabei hätte.
Besonders weil ja der Präsi das jeweils noch extra auf’s Reiseprogramm
schreibt.
Aber fangen wir vorne an: Der Töbu hatte sich ja bereit erklärt nach Basel
an den Flughafen zu fahren, es muss so gegen 04.00 gewesen sein. Jedenfalls
hat er sich nichts Böses gedacht als plötzlich die Autobahn für eine Sekunde
hell erleuchtete. Radar! Okay! Die Reise zu uns nach London begann nicht
gerade optimal es konnte nur noch besser werden.“
Und wieder runzelt Frank die Stirn.“ Ja, aber wieso ist den der Töbu mit
seinem Auto selber an den Flughafen gefahren? Wir werden doch immer
chauffiert?“
„Weisst Du Frank, das verstehe ich auch nicht so ganz, aber die Story geht
noch weiter. In Basel haben sich dann alle Teilnehmer getroffen unter
anderem war da der Wälty Michi dabei, der zum erstenmal zu uns an die Bridge
gekommen ist.
Also, als alle eingetroffen waren, sind sie am Check-in angestanden und
selbstsicher hievte Töbu sein Gepäck auf’s Rollband. Doch plötzlich wurde
es ihm abwechselnd heiss und kalt. Ein Blitz ist durch ihn durchgefahren,
als ihm plötzlich klar wurde, dass er, ausgerechnet er, seine ID zu Hause
vergessen hatte. Und nicht nur das, auch seine Membershipkarte hatte er
nicht dabei.“
Inzwischen hat sich Didier zu den zweien dazugesellt und hört aufmerksam zu:
„Qu’est-ce que c‘est, une membershipcard?“
„ Ich weiss es nicht so genau, Didi! Die Fans brauchen das anscheinend um
sich an der Bridge ausweisen zu können. Und soviel ich gehört habe, haben
sie damit immer noch keine Garantie ein Ticket zu bekommen.“
Bei Didier sieht man jetzt nur noch das Weisse den Augen und er sagt: „Oh!
It’s a f…. disgrace!“
John wird ganz rot im Gesicht und er sieht sich hastig um, ob nicht etwa
auch ein Schiri oder sonst ein Norweger sein Feierabendpint geniesst:
„Didier! Psssst! Du weisst ganz genau, dass Du diese Worte nicht mehr
benutzen darfst in der Öffentlichkeit! Jetzt wo Du weitere drei Jahre bei
uns bleibst, solltest Du Deine Emotionen ein bisschen mässigen. Wie stehe
ich sonst wieder da? Und überhaupt! Als vierfacher Vater solltest Du Vorbild
sein. Und wenn mein Sohn ein Arsenal-Fan wäre hätte ich sowieso erst einiges
Zu Hause zu regeln…!“ Nun ist es Didi, der ein unüberhörbares „psssst“
durchs Pub zischt.
„Also“, erzählt John weiter:“ da stand nun der Töbu am Schalter und wedelte
verzweifelt mit seinem Führerausweis. Doch das nützte halt auch nichts. Und
so musste er zum Passbüro, welches ihm morgens um 06.00 einen Notpass
ausstellte.“
Frank ist geschockt. Man weiss nicht so genau ob es wegen Didiers erneuten
Ausbruchs ist, oder weil diese Story dem Töbu passiert ist. „ Ist denn nach
diesem turbulenten Start wenigstens in London alles gut gelaufen?“
John lehnt sich zurück: „ Yep! Sie haben am Samstag ein Spiel der Football
League 2 besucht. Brentford, glaub ich, hiessen die.“ „Ah, the bees!“ nickt
Frank wohlwissend.
„ Den Abend haben sie gemütlich im Hotel verbracht. Aber den Walliser Eddi
hatte dann doch ein gewisses Reissen und so besuchte er zusammen mit Svenu
noch ein Casino. Mir wurde berichtet, dass man dafür am nächsten Tag nicht
mehr viel hörte und sah von Eddi.“
Didier wird langsam ungeduldig und mit seiner typischen Art die Arme
anzuwickeln und die Schultern hochzuziehen fragt er John: „ So! Und zum
Spiel? Was haben die Chelsea Supporters dazu gesagt? Haben sie meine
Super-Aktion bemerkt als mir Bosi den Ball vom Sechzehner vor die Füsse
setzte?“
„ Ja haben sie. Aber sie sagen das Gleiche wie ich dir schon auf dem Platz
gesagt habe: Den hättest du machen müssen!“
Didier lässt den Kopf hängen. “ Oui, je sais!“ Frank führt sein Glas zum
Mund, sein Blick schweift in die Ferne und auch er schüttelt den Kopf.“ Es
ist mir immer noch unerklärlich, dass ich in der 2. Minute angeblich im
Abseits gestanden bin. Ich habe mich bereits so über das Tor gefreut. Aber
was soll’s! Essie konnte ja zum Glück einschieben und ich habe ja den Pass
dazu gegeben.“
„Genau!“ bestätigt John, „ und so ging für die Chelsea Supporters dann auch
bald wieder ein ereignisreiches Wochenende bei uns zu ende. Kurz später an
Ostern führten sie dann auch schon wieder ihr Eiertütschen durch. Sie haben
recht viele Teilnehmer gehabt. Nach einem Jahr Pause haben sie auch wieder
ein Lotto durchgeführt. Logisch, dass der Töbu wieder abräumte. Aber auch
alle anderen hatten sicher Freude an einem gelungenen Nachmittag. Später am
Abend und der Alkohol soll schon reichlich geflossen sein, wurde der Markl
Tom vom Vorstand angefragt ob er nicht ein Berichtchen über diesen Tag
schreiben könnte. Ja klar! Das sei kein Problem, antwortete Tom.
Er hoffte, dass wenn wieder alle nüchtern sind, diese Anfrage wieder
vergessen sein wird. Dass dem nicht so sei, sollte er dann ein paar Wochen
später merken. Aber er soll einen Superbericht gemacht haben.“
„Das ist ja fast wie bei uns!“ beklagt sich Didier, „ ich hoffe auch immer,
dass ihr wieder vergesst was ich gesagt habe. Aber immer bin ich derjenige
der Bussen bezahlen muss.“
„Das sind zwei verschiedene paar Schuhe, Didi, “ involviert Frank.
John erzählt weiter: „ Im Juni haben die Chelsea Supporters dann, ebenfalls
nach einem Jahr Pause, ihr Waldfest durchgeführt. Und auch hier gab’s
natürlich wieder etwas zu gewinnen. Den ersten Platz ging an die Amacher
Chrige aber auch Burgener Roland und Jutzi Brünu gehörten zu den glücklichen
Gewinnern.
Ebenfalls am Waldfest wird auch immer dem Tippgame-Gewinner der Preis
übergeben. Er bekommt jeweils ein Spielertrikot von uns mit einem Aufdruck
nach Wahl. Pierre-Edouard hat das Tippgame bereits zum zweiten Mal
gewonnen.“
Selbstsicher baut sich Didier vor der anderen auf.“ Je suis sûr, Le Welsch
hat mich gewählt!“
„Ich muss dich leider enttäuschen! Der Held von Pierre-Edouard, das bin
ich! Er hat ein Trikot mit meinem Namen gewählt. Schliesslich bin ich immer
noch der Bestbezahlte von euch allen, “ brüstet sich Frank.
„ Schon gut, Frank. Komm wieder runter. Das war mal, “ meint John mit einem
Funkeln in den Augen.
Er schaut auf seinen Chronometer: „ Oh, schon so spät? Es ist Zeit, ich muss
gehen!“ Es wird gemunkelt, dass John noch an diesem Abend seinen neuen
Fünfjahresvertrag mit 170‘000 euro Wochenlsalär unterzeichnet hat.
Das Chäppi tief ins Gesicht gezogen verabschiedet sich John, währenddessen
Didier noch ein Bier bestellt. Frank schmunzelt als Didier das Bier bringt.“
Was lachst Du?“, erkundigt sich Didi. Frank sagt nur: “Töbu, Töbu…“ Didi
antwortet: „Notpass!“ Beide lachen und geniessen ihr letztes Bier: „Ich bin
ja mal gespannt, welche Storys uns John nächstes Jahr erzählt. So soll
bereits wieder eine Clubreise geplant sein. Glaub, sie sind gegen Ateltico
Madrid da. Bin gespannt was da wieder abgeht. Apropos: Didi, sprichst du
spanisch? Weisst Du wie man `es ist eine Schande` auf Spanisch sagt?“
„Moi??? Non!!!“ sagt Didi mit unschuldigem Blick.
Sie trinken aus und auf dem Nachhauseweg denkt sich Frank. „ Die Chelsea
Supporters Switzerland sy scho geili Sieche!“
Die Sekretärin:
Jeannette
Rüegsegger |