14.03.09 - 16.03.09 Clubreise Chelsea FC – Machester City
Samstagmorgen, es ist drei Uhr und der Alarm meines Handys dröhnt. Normale
Menschen schlafen um diese Zeit. Es hat aber nie jemand behauptet, dass unser
Verein nur etwas für normale Menschen ist. Für eine Clubreise nach London nimmt
man unter Umständen vieles in Kauf, wenig Schlaf gehört in jedem Fall dazu. Eine
unmögliche Zeit um Aufzustehen, denke ich für mich, während ich noch halb
benommen vom Schlaf ins Bad torkle.
Kurz nach vier Uhr sitzen unser Präsident Svenu und das Vorstandsmitglied Säschu
bereits in meiner Karre und wir fahren Richtung Basel, wo kurz nach sieben Uhr
unser Easy Jet (auf den freue ich mich ja bekanntlich jedes Mal ganz besonders!)
abheben soll. Das Besondere an Basel sind nicht der Morgästraich und die
Schnitzelbänke, es ist nicht der FCB und es sind auch nicht die Ratten-Fixer von
der Pharma. Das Besondere sind die zahlreichen, fest installierten
Autobahn-Radarfallen. Die sind selbst zu sehr früher Morgenstunde scharf
eingestellt, wenn ausser uns noch keine Sau auf der Strasse zu sehen ist. Ich
hoffe, dass das Föteli gut ausgesehen hat, Ihr Waggisköpfe vom Rheinknie! Den
ersten Ärger des Tages bereits hinter mir und schon halb verdaut, fanden wir uns
dann pünktlich am Flughafen ein und trafen dort wie verabredet kurz vor sechs
Uhr die weiteren Mitglieder unserer Reisegruppe vor dem Check-in von Easy Jet.
Jetzt kann’s los gehen! Doch falsch gedacht…
Pass /
ID und Member-Karte nicht vergessen!!!
Fett und tatsächlich mit drei Ausrufezeichen hatte es unser Präsi in den
Reiseplan geschrieben.
Und nun stehe ich vor der Dame in knalligem Orange mit meinem Führerausweis in
der Hand, das Gepäck schon auf der Waage, kalter Schweiss auf der Stirn und mein
Puls steigt hoch! Dreifaches Vergessen, an nichts habe ich gedacht! Ausgerechnet
heute muss ausgerechnet mir ausgerechnet so ein Malheur passieren.
Es ist mittlerweile sechs Uhr und mir bleibt noch eine halbe Stunde Zeit fürs
Check-in. Ich klopfe an die Bürotüre der Flughafen-Grenzwache und warte
gespannt. Und siehe da, die Türe öffnet sich tatsächlich und ein netter Beamter
fragt mich nach meinem Anliegen.
Es lebe die Schweiz, liebe Freunde! In welchem anderen Land der Welt wäre es
denn sonst möglich, an einem Samstag Morgen um diese Zeit einen Notpass
ausstellen zu lassen. Die Leute von der Grenzwache Basel sind seit diesem 14.
März meine ganz persönlichen Helden und ein wahrhaftiges Symbol für die
Einzigartigkeit von Schweizer Qualität und bestem Service! Um 06.25 Uhr, also
gerade mal eine halbe Stunde nach dem grossen Schock beim Check-in, nehme ich
gegen eine Gebühr von CHF 150 den ersten Notpass meines Lebens entgegen. Mit
Blick auf mein Chelsea-Cap meinte der Beamte dann noch, dass er die Gunners viel
besser fände als Chelsea. Du armer Irrer, denke ich für mich, sage es aber nicht
und verzeihe ihm diesen Fehler grossherzig. Hauptsache ich habe einen Pass!
London – we are coming! Das war nun weiss-Gott genug Aufregung gewesen für
diesen Morgen. Und so war ich erleichtert, dass der Flug, die Einreise und die
Ankunft in London nicht von weiteren negativen Überraschungen überschattet
wurden. Nur der Englische Zollbeamte staunte ein wenig ungläubig über meine
Passgeschichte. Ihm war nämlich aufgefallen, dass mein Pass im Unterschied zum
normalen Format einen sexy-weissen Streifen auf der roten Hülle hatte. „Um diese
Zeit werden doch noch keine Pässe ausgestellt?!“, meinte er den Kopf schüttelnd.
– Doch! In der Schweiz eben schon!
Bentford gegen Wycombe lautete die Affiche für unseren ersten Matchbesuch am
Samstag Nachmittag. – Noch nie gehört? Macht nichts, ich vorher auch nicht! Ist
ja auch nicht die Premier-League.
Das kleine Stadion von Brentford liegt mitten in einem typischen Londoner
Wohnquartier und platzte mit den anwesenden 10'643 Zuschauern fast aus den
Nähten. Die Ordner hatten denn auch alle Hände voll zu tun, die Fans auf die
Sitzplätze einzuweisen. Was nützt es, fragt man sich als logisch denkender
Mensch, wenn zwar die Sitze im Stadion nummeriert sind, aber die Tickets keine
Platznummer aufgedruckt haben? Auf jeden Fall fand schliesslich jeder von uns
ein Plätzchen irgendwo verstreut auf der Haupttribüne.
Der Match war recht unterhaltsam, wenn auch technisch nicht auf höchstem Niveau
gespielt wurde. An Einsatz und Härte mangelte es jedenfalls nicht. Insbesondere
die Schiedsrichterbälle waren sehenswert – schöne Grüsse ans Schienbein! Nicht
über alle Zweifel erhaben war die Leistung der beiden Verteidigungslinien sowie
des Torhüters von Bentford. Und so endete ein munteres Spielchen am Schluss mit
3-3 unentschieden. Das Heimteam von Brentford ging schon sehr früh in Führung,
musste dann aber zuerst einen 1-2 und später nochmals einen 2-3 Rückstand
aufholen.
Später am Abend im Hotel war den meisten von uns dann doch die Müdigkeit dieses
langen Tages anzumerken. Und so beschlossen wir, das Abendessen ausnahmsweise
gemeinsam im Hotel einzunehmen und die müden Füsse etwas ruhen zu lassen. Ein
paar von uns konnten es dann aber trotzdem nicht sein lassen. Statt sich
vernünftig in die Kojen zu liegen, haben Sven und Edi anschliessend noch die
halbe Nacht im Casino durchgezecht. Und wieder einmal zeigte es sich:
Wer am ersten Reisetag keine Grenzen kennt, der wird am Tag danach dafür
bestraft! – Gäu Edi!?
ENDE TEIL1 GESCHRIEBEN VON TOBIAS SEGER
Gut ausgeschlafen nahmen wir unser Sonntagsfrühstück ein und besammelten uns
anschliessend in der Lobby unseres Hotels. Während von dort die meisten von uns
auf direktem Wege zur Fulham Road pilgerten, um sich dort auf das Spiel gegen
Manchester City einzustimmen, fuhr unser 2-köpfiges Ostschweizer Kontingent erst
noch kurz in die Innenstadt um Einkäufe zu tätigen, da ihr Rückflug in die
Schweiz bereits für den frühen Abend gebucht war.
Päscu, mit Hilfe von Kusi, konnte sich endlich einmal durchsetzen und einige
Supporters in die „So Bar’ locken – DER Treffpunkt aller echten Chelsea Fans!
Wie immer vor einem Spiel war die Stimmung hervorragend – über „Zigger Zagger“,
„10 men went to mow“ und „Carefree“ bis hin zum absoluten Klassiker „Chelsea
Chelsea“ schreiten sich die Stamford Bridge Sängerknaben die Kehle aus dem Hals!
Das Bier floss in Zügen, der Schweiss auch! Eine dreiviertel Stunde vor
Spielbeginn verlassen wir die So Bar, damit genügend Zeit blieb, um die
obligaten, von Roman Abramovitch’s Landsleuten gebratenen Hamburgern zu
verdrücken.
Für das Spiel gegen Man City erhielten wir von Chelsea Tickets für den East
Stand, so dass wir gleich zu unserer Linken den kleinen Haufen Away-Fans
bestaunen durften. Als Chelsea Fans dürfen wir uns ja nicht immer für unsere
lautstarke Unterstützung unserer Mannschaft rühmen, aber was die City Fans an
Stimmung hervorbrachten, ist in etwa mit dem FC Vaduz Fanblock zu vergleichen.
Wenn man das mit einem Wort beschreiben darf: pathetic!
Für Manchester City kehrten erstmals Shaun Wright-Philipps und Wayne Bridge an
die Stamford Bridge zurück, die wie Manager Mark Hughes mit freundlichem Applaus
von uns True Blues empfangen wurden. Bei Sonnenschein war um halb zwei dann
endlich Anpfiff, und nach wenigen Minuten war der Ball schon hinter Don Given im
Netz von City – aber das Tor durch Frank Lampard wurde wegen einer
Offside-Position nicht gegeben. Doch Chelsea spielte weiter zügig nach vorne,
und bereits nach einer Viertelstunde gelang Michael Essien im ersten Premier
League Spiel nach seiner langwierigen Verletzung das 1-0, welches dann leider
auch das einzige Tor des Spiels bleiben sollte. Zwar erspielte sich Chelsea noch
einige Chancen und gewann schlussendlich verdient, aber der erhoffte
Leckerbissen war dieses Match leider nicht. Manchester City war während des
ganzen
Spiels schwach und konnte kaum Akzente setzen. Auch das vielgerühmte Mittelfeld
mit Robinho und Stephen Ireland konnte nicht überzeugen, so dass die ganze
Angelegenheit doch ziemlich einseitig war. Nicht dass wir uns beschweren
wollten, hatte doch der FC Liverpool am Vortag Manchester United im Old Trafford
mit 4-1 demoliert, sodass wir uns nun – bei einem Spiel mehr – nur noch 4 Punkte
hinter dem Leader wiederfanden und die Hoffnung auf den Gewinn der Meisterschaft
deshalb wieder stark gestiegen war.
ENDE TEIL2 GESCHRIEBEN VON PASCAL BECHER
Der letzte
Tag unserer Reise ist eigentlich sehr schnell erzählt: frühstücken, shoppen,
zurück zum Hotel, mit der Bahn zum Flughafen… das war‘s vom dritten Tag.
Etwas ausführlicher? OK, OK.
Nach einem gediegenen englischen Frühstück war shoppen angesagt. Im „Lilly“
wusste Jonas nicht wie er sich entscheiden sollte und kaufte kurzerhand den
halben Laden leer (siehe Foto). Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass der
Wechselkurs sehr günstig und ausserdem noch Ausverkauf war. Vollgepackt ging es
anschliessend in die Carnaby Street. Da verloren wir etwas Zeit weil ich, wie
immer sehr zielstrebig, im „Merc“ herumirrte. Nach langem kaufte ich dann
schlussendlich doch noch ein T-Shirt (ja genau das, welches ich eigentlich als
erstes kaufen wollte). Zurück im Hotel fingen die bekannten Probleme mit dem
Platz im Koffer an. Schweissgebadet kniete Jonas auf seiner prallgefüllten
Reisetasche und versuchte verzweifelt den Reissverschluss zu schliessen. Dies
gelang ihm schlussendlich auch. Ha ha, aber da lag noch ein grosser Plastiksack
daneben. Dieser hatte beim besten Willen nicht mehr platz. „Alles kein Problem“
sagte Jonas „den nehme ich als Handgepäck mit“. Gesagt, getan… in Basel schaute
der Zöllner etwas kritisch, lies Jonas aber mit prallgefüllter Reisetasche +
riesigem Plastiksack passieren. Aber auch Töbu kramte im Hotel vor der Abreise
nervös in seiner Brieftasche. „Säschu, hast du die Bahntickets?“ „Nein“ kam zur
Antwort und so kaufte er nochmals zwei. Im Zug Richtung Flughafen meinte er nur
schmunzelnd: „Auch das ist durch mein Notpass-Budget abgedeckt.“
Am Flughafen, nach einer kleinen Rauchpause, checkten wir ein und passierten den
Zoll. Waren alle durch den Zoll? Nein einer fehlte noch. Ja genau, Töbu! Nach
kurzer Suche konnten wir beobachten wie er ohne Schuhe und mit gespreizten Armen
vor dem Zöllner stand, und das ganze Programm über sich ergehen lassen musste.
Mit rotem Kopf kam er uns entgegen und fragte ob er der einzige sei der so
„gefilzt“ wurde. Ja, er war der einzige unserer Gruppe ;-).
Nach einem ereignislosen Flug, kamen wir wohlbehütet in Basel an.
SCHLUSSTEIL GESCHRIEBEN VON SVEN RÜEGSEGGER